Nicht jeder Blödsinn kommt aus Hollywood aber aus Hollywood kommt nur Blödsinn, wird gern behauptet. Das ist natürlich Quatsch. Dass Hollywoodstreifen durchaus visionär sein können, beweist ein Film, der unter Freunden der anspruchsvollen Unterhaltung als Sünde gilt: Demolition Man.
Demolition Man spielt in San Angeles im fernen Jahr 2032.
„Durch ein großes Erdbeben und die damit verbundene Vernichtung von Santa Monica, Los Angeles und San Diego entstand die Metropolregion San Angeles: ein futuristischer Garten Eden, in dem weder Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit, noch Kriminalität existieren – genauso wenig wie fleischliche Nahrung, Sex, Küssen, Rockmusik und Schimpfworte.“
Menschen, die nicht in das Bild dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Welt passen, müssen als Ausgestossene in der Kanalisation unter der Stadt leben. Man könnte sagen, San Angeles ist das, was unter hauptamtlichen Bedenkenträgern und Volkserziehern anno 2009 als Musterbeispiel einer erstrebenswerten Gesellschaft gilt. Totalitär aber friedlich und porentief rein.
Dass es mit dieser Vision nicht soweit her ist, ahnt man, wenn man bspw. die Diskussion um den Erfolg des bayerischen Volksbegehrens “für echten Nichtraucherschutz” verfolgt. Das scheint man überraschenderweise nun auch in der Hauptgeschäftsstelle des guten Gewissens, der SPD, erkannt zu haben. Welt.de hat jedenfalls einen kurzen Auszug aus dem Buch „Frau, gläubig, links – Was mir wichtig ist“ von Andrea Nahles, der Generalsekretärin der SPD, veröffentlicht, in dem sich Frau Nahles gegen einen „Neopaternalismus“ wendet. Dort heißt es:
„Was mir [...] missfällt: Ich habe das Gefühl, dass das öffentliche Auge die Menschen genauer als früher ins Visier nimmt. Der Staat mischt sich dadurch so weitgehend in das Leben des Einzelnen ein, dass alle meine liberalen Instinkte geweckt werden.“
So weit ist es also schon gekommen. Wenn sogar Andreas Nahles’ liberale Instinkte geweckt wurden, dann ist es wirklich höchste Eisenbahn. Ich kann mich Christian Soeder nur anschließen, der schreibt, es sei „das richtige Statement zur richtigen Zeit“ und „[e]ine Gesellschaft [...], die ihren Mitgliedern nicht die Entscheidung zugesteht, selbst zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper und ihrem Leben anfangen, ist keine freie, sondern eine unfreie Gesellschaft“.
Dazu darf es nicht kommen. Ich kann und will selber entscheiden, was ich esse, trinke oder rauche. Oder wie Edgar Friendly in Demolition Man sagte:
„[A]ccording to Cocteau’s plan, I’m the enemy, ’cause I like to think, I like to read. I’m into freedom of speech, and freedom of choice. I’m the kinda guy that likes to sit in a greasy spoon and wonder, „Gee, should I have the T-bone steak or the jumbo rack of barbecue ribs with the side-order of gravy fries?“ I want high cholesterol! I wanna eat bacon, and butter, and buckets of cheese, okay?! I wanna smoke a Cuban cigar the size of Cincinnati in the non-smoking section! I wanna run naked through the street, with green Jell-O all over my body, reading Playboy magazine. Why? Because I suddenly may feel the need to, okay, pal?“