Am 12. Februar 2002 sagte Donald Rumsfeld, der ehemalige Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, auf einer Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums einige Sätze, die ihm viel Spott und Häme einbringen sollten.
As we know,
There are known knowns.
There are things we know we know.
We also know
There are known unknowns.
That is to say
We know there are some things
We do not know.
But there are also unknown unknowns,
The ones we don’t know
We don’t know.
Wir wissen also, es gibt Bekanntes, das uns bekannt ist. Es gibt bekanntes Bekanntes. Wir wissen auch, es gibt Unbekanntes, von dem uns bekannt ist, dass es uns unbekannt ist. Außerdem gibt es aber Unbekanntes, von dem uns nicht bekannt ist, dass es uns unbekannt ist. Es gibt also auch unbekanntes Unbekanntes. Dass Rumsfelds Poesie anno 2009 angesichts einer Diskussion um den Verbraucherschutz in Deutschland wieder aktuell werden würde, haben wahrscheinlich weder Rummy selbst noch seine Kririker vorhergesehen. Wie sollten sie auch, handelt es sich bei dieser Tatsache doch um etwas unbekanntes Unbekanntes.
Wie SPON berichtet, hat die Verbraucherzentrale Hamburg eine Liste sogenannter Plagiatoren veröffentlicht. Plagiatoren seien Unternehmen, die versuchten die Verbraucher zu täuschen, indem sie Produkte anböten, die andere Bestandteile enthielten, als die, die die Verbraucher erwarteten.
„Es gibt Worte, die nicht für den Verbraucher bestimmt sind. Sie lauten Krebsfleisch-Imitat, Fischmuskeleiweiß, Erbsenstärke, synthetisches Vanillin, Algenkonzentrat und Formfleisch. Und dennoch sind diese Zutaten Bestandteil vieler Lebensmittel, die Konsumenten tagtäglich in deutschen Supermärkten in ihren Einkaufswagen legen – und später ahnungslos verzehren im Glauben, es handele sich um hochwertige, gesunde und vor allem vollwertige Produkte.“
Besonders dreist täuschten Hersteller ihre Kunden, deren Produkte gar nichts von den versprochenen Zutaten enthalten, zitiert WeltOnline Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. So gibt es bspw. Wasabi-Erdnüsse, die keine Spur des japanischen Meerrettichs enthalten oder Garnelenschwänze, die aus gepresstem Fisch- und Hühnerfleisch bestehen.
In deutschen Supermärkten geht es also zu, wie am Strand von Mallorca, wo Straßenhändler vom Original kaum zu unterscheidende Roleximitate feilbieten. Es geht hier quasi um knallharte Markenrechtsverletzungen und das Kopieren eines Herstellungsverfahrens. Den Garnelen als Rechteinhaber werde gewissermaßen das Patentrezept für ihre Schwänze gestohlen.
Das ist natürlich völliger Blödsinn. Jedem ist spätestens seit dem Ende der landwirtschaftlichen Subsistenzwirtschaft klar, dass Produkte bei der Herstellung von Lebensmitteln weiterverarbeitet und verändert werden. There are things we know we know, würde Rummy sagen. Und tatsächlich gibt es bereits Gesetze, die Lebensmittelhersteller dazu verpflichten, die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel auf der Verpackung anzugeben. Und dieser Pflicht kommen die Hersteller auch nach. Im Klartext heißt das: Es ist drin, was drauf steht.
Doch das ist der Verbraucherzentrale nicht genug. Die Zutatenliste sei oft miniklein und dann auch noch dunkelblau auf hellblau geschrieben. Anscheinend hält die Verbraucherzentrale die Verbraucher für zu dumm oder kurzsichtig, um Zutatenlisten zu lesen und eigenverantwortliche Kaufentscheidungen treffen zu können.
Hätte sie ihren Rumsfeld gelesen, wüsste sie: There are known unknowns aber Pressfleischgarnelenschwänze und wasabilose Erdnüsse gehören nicht dazu.
Aber die Verbraucherzentrale entmündigt nicht nur die Konsumenten, sie sorgt sich auch um das Wohl der Produzenten. Weil sich die Verbraucher gar nicht an den Garnelenschwänzen aus gepresstem Fisch- und Hühnerfleisch und an Wasabi-Erdnüssen ohne Wasabi aber mit Wasabigeschmack stören, sondern diese sogar sehr gerne und viel konsumieren, drohen die Anbieter von Garnelenschwänzen aus Garnelen und Wasabierdnüssen mit Wasabi vom Markt gedrängt zu werden.
„Die sind dann irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig“, sagt Verbraucherschützerin Schwartau.
Diesen Machenschaften der Plagiatoren müsse der Gesetzbeber deshalb dringend Einhalt gebieten und die original Marktwirtschaft mit ihren Wettbewerbsmechanismen durch eine Wirtschaftsordnung ersetzen, auf der zwar Marktwirtschaft drauf steht aber keine Marktwirtschaft drin ist. Heraus käme etwas altbekanntes: Die Planwirtschaft. In der Planwirtschaft gibt es ausschließlich bekanntes Bekanntes. Der zentrale Planungsstab weiß, hört und sieht alles. Rummy hätte gelacht, weil er weiß, there are also unknown unknowns, the ones they don’t know they don’t know.


Schöner Beitrag. Hast du dir übrigens die „Liste“ der Verbraucherzentrale mal angesehen? Angesichts der massiven Medienreaktionen hätte ich ja eine beeindruckende Anzahl an „Verfehlungen“ erwartet, aber was gibt es stattdessen: Ein sechsseitiges PDF mit 11 (in Worten: elf) (in Grossbuchstaben: ELF!) Produkten.
Von: StitchJones am 11. Juli 2009
um 16:18
Die Bedrohung ist immens!
Von: Daniel Drungels am 11. Juli 2009
um 21:42