Brüno – Eine Kritik

Ich habe mir den neuen Film von Sacha Baron Cohen „Brüno“ angesehen. Das Fazit vorweg: „Brüno“ ist oft schockierend aber leider nur selten komisch.

Nachdem der schwule Modejournalist Brüno als Moderator von „Funkyzeit, der allersuperwichtigsten TV-Fashionshow, die es gibt im deutschsprachigen Raum außer in Deutschland“ gefeuert wurde, schickt dieser sich an der „berühmteste Superstar Österreichs seit Hitler“ zu werden. Dazu reist Brüno nach Los Angeles, besucht Vorsprechen, um eine Rolle in einem Hollywood Blockbuster zu ergattern und bringt so ziemlich jede peinliche Aktion, die Hollywoodsternchen tun, um ihren Marktwert zu steigern. Er lässt sich den Anus bleichen, versucht ein Sextape mit dem amerikanischen Politiker Ron Paul zu drehen und als Charityfee das „größte Problem der Welt“, den Nahostkonflikt, zu lösen. Auf dem Rückweg in die USA fliegt Brüno über Afrika um „zum Shoppen zu stoppen“ und tauscht dort einen ipod gegen ein afrikanisches Waisenkind ein, mit dem er dann als alleinerziehender Vater in einer Talkshow auftritt. Noch während der Sendung wird Brünos Adoptivkind – O.J. – vom staatlichen Jugendamt in Schutzgewahrsam genommen. Daraufhin versucht Brüno sich in einem Diner mit einer Kohlenhydrateüberdosis das Leben zu nehmen, wird aber im letzten Moment von seinem Assistenten gerettet.

Am Boden zerstört und von den Niederlagen entmutigt, kommt Brüno zu dem Schluss, dass seine Homosexualität für den ausbleibenden Erfolg verantwortlich sein muss, schließlich sind alle großen Stars hetero. Von diesem Zeitpunkt an geht es in „Brüno“ nur noch um dessen Entschwulung. Vom Schwulen-Bekehrer Jody Trautwein in Alabama holt sich Brüno Ratschläge, um endlich „von den Jungs loszukommen“. Er lässt sich von einem Kampfkunstlehrer Selbstverteidigungstechniken gegen Dildoattacken beibringen, begibt sich ins Ausbildungscamp der Nationalgarde, um nur von Heteros umgeben zu sein und begleitet eine Gruppe Rednecks bei der Jagd. Schließlich sucht Brüno sogar einen Schwulen-Bekehrer der 2. Stufe auf, der ihm empfiehlt sich in die Gesellschaft von Frauen zu begeben, damit diese ihn verführen können.

Der Film und die Witze lassen sich grob in zwei Teile teilen. Im ersten Teil geht es um Brünos Versuche berühmt zu werden. Sacha Baron Cohen nimmt hier vor allem das Showgeschäft aufs Korn und zeigt eindrucksvoll, welch seltsam ekelhafte Formen der Starkult zuweilen annimmt. Die Lacher gehen dabei auf Kosten von Brünos realen Interaktionspartnern. In einer Szene zu Beginn des Film, erklärt der ehemalige Popstar Paula Abdul z.B., dass humanitäres Engagement für sie quasi lebenswichtig sei, während sie aber mexikanische Gastarbeiter als Sitzmöbel missbraucht. In einer anderen Szene veranstaltet Brüno ein Casting für das „heißeste Baby Fotoshooting aller Zeiten“ und fragt die Eltern der Kinder, ob ihr Kind mit toten oder sterbenden Tieren, mit Amateurwissenschaft, also damit in Töpfen mit Säure zu rühren, mit brennendem Phosphor oder Fettabsaugen „okay ist“.

- Good News, wir haben uns entschieden, dass dein Baby für uns als Nazioffizier verkleidet, eine Schubkarre vor sich her schiebt. Darin sitzt ein anderes Baby, das als Jude verkleidet ist, und das wirft sie in den Ofen.
- In den Ofen?
- Herzlichen Glückwunsch! Wie gefällt Dir das?
- Super! Hauptsache ist, sie hat den Job.

Das ist geschmacklos und gleichzeitig so unglaublich abwegig, dass sich der Zuschauer unweigerlich fragt, wann die Eltern wohl merken, dass das Casting nur inszeniert ist bzw. wie sie nur so dumm sein können, es nicht zu merken. In diesen Szenen präsentiert Sacha Baron Cohen Realsatire vom Feinsten.

Im zweiten Teil, den letzten 30 Minuten, lässt der Film dann merklich nach, was in erster Linie an der Figur „Brüno“ selbst liegt. In diesen Szenen geht es vorrangig um dessen Weg in die Heterosexualität. Ein exzentrischer Modereporter ist allerdings nicht gerade die Neuerfindung des Rades, weshalb der zweite Teil die Überraschungsmomente vermissen lässt. Demnach sind Schwule tuckig, schrill, exzentrisch und jederzeit und überall geil auf total versauten Sex. Brüno teilt das Schicksal aller eindimensionalen Kunstfiguren: Die Gags sind vorhersehbar und langweilen schneller, als Ingo Appelt „ficken“ schreien kann. Vielleicht lacht man einmal, möglicherweise auch gar nicht, keinesfalls aber über 90 Minuten.

Die Kritik, mit „Brüno“ würde auf Kosten der Schwulen Kasse gemacht, Baron Cohen gäbe nur vor, Homophobie entlarven zu wollen und tatsächlich basierten der Film und sein finanzieller Erfolg aber auf der Vorführung (vermeintlich) schwuler Menschen und ihrer Verhaltensweisen und der Abwertung schwulen Lebens, kann ich trotzdem nicht teilen. Zwar bedient sich Sacha Baron Cohen der typischen Klischees, die man in allen Komödien findet, in denen der Schwule dargestellt werden soll. Die Figur „Brüno“ ist aber derart überzeichnet, dass kaum jemand behaupten wird, hier würde an die von einer Mehrheit geteilten Ansichten schwuler Verhaltensweisen appelliert. Wobei natürlich nicht abzustreiten ist, dass es einfältige Naturen gibt, deren Humor bequem unter jede Türschwelle passt, schließlich füllt auch Mario Barth ganze Stadien. Dem Film würde ich das allerdings nicht ankreiden wollen, denn selbstverständlich funktionieren Witze über homophobe Verhaltensweisen nur über deren Bloßstellung und dazu braucht es ein Objekt, an dem sich die Ressentiments entladen können. Die Lacher gehen dennoch eindeutig auf Kosten der Schwulenhasser, die Brüno auf den Leim gehen.

An “Borat” kann Sacha Baron Cohen mit diesem Film trotzdem nicht anknüpfen.

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