Mit Demokratie und Freiheit wissen die Deutschen nichts anzufangen:
Rund 80 Prozent im Osten und bis zu 72 Prozent im Westen könnten sich vorstellen, in einem sozialistischen Staat zu leben, solange für Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gesorgt wäre. Freiheit ist für 28 Prozent der Ostdeutschen und 42 Prozent der Westdeutschen nach der Umfrage ein wichtiges politisches Ziel.
Diese Zeilen muss man im Klartext wie folgt lesen:
Rund 80 Prozent im Osten und bis zu 72 Prozent im Westen hätten kein Problem damit, als Sklaven gehalten zu werden, solange ihr Eigentümer nur einen Acker hat, den sie bestellen dürfen, solange es noch andere Leidensgenossen gibt, die ihr Schicksal teilen und solange der Sklavenhalter die Unversehrtheit seines Nutzviehs garantiert. 72 Prozent der Ostdeutschen und 58 Prozent der Westdeutschen halten den Artikel 1 der Menschenrechte für überbewertet.
Für 5000 Euro würde sich jeder siebte im Osten und jeder zwölfte im Westen sogar einer Diktatur unterwerfen. Da fehlen mir die Worte. Es ist eine Schande!
#1 von politbuerokrat am 15. März 2010 - 17:26
Eine gefährliche umfrage. Wir können froh sein, dass die feudalherren des mittelalters sie nicht kannten.
#2 von christianhannover am 15. März 2010 - 17:26
aber daniel, denk nur an die grandiosen polykliniken, die vielen selbstbewussten sozialistischen frauen, fkk und die kostenlosen kitaplätze – dafür verzichtet man doch gerne auf das bisschen freiheit!
#3 von Muriel am 15. März 2010 - 17:55
Hayek hat doch mal gesagt, dass “eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit – und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist.“
Das ist vielleicht ein bisschen dramatisiert, hat aber durchaus Sinn.
#4 von Matthias Schumacher am 15. März 2010 - 20:23
Ich kann es nicht mehr lesen! Alle halbe Jahre dasselbe.
Die Mauer gab es übrigens nur in Berlin, aber das wissen die meisten der Befragten sicher gar nicht. Wir haben ein Bildungsproblem. Solche Umfrageergebnisse können doch nur durch Dummheit und Unwissen zustande kommen.
#5 von Daniel Drungels am 15. März 2010 - 20:44
Ja, da wünscht man sich doch einen Fluxkompensator und jeder, der seine Freiheit für eine Hand voll Taler verschachern will, wird stante pede zurück in diese Zeit gereist.
#6 von Muriel am 15. März 2010 - 21:31
Leute, wir wissen aber schon, dass die Aufregung eine künstliche ist, oder? Ich “könnte” mir auch “vorstellen” im Sozialismus zu leben, und für eine geeignete Summe, die auch unter 5000 Euro liegen dürfte, würde ich meine Stimme verkaufen.
#7 von Daniel Drungels am 16. März 2010 - 04:21
“Vorstellen können” meint hier wohl kaum die Fantasie der befragten, sondern ob man es unter Umständen in Betracht ziehen würde. Und 80 bzw. 72 Prozent würden dies in Betracht ziehen, wenn es Arbeit, Solidarität und Sicherheit geben würde, also all die schönen Dinge, die die Ostalgiker vermissen. Die Aufregung ist nur insofern künstlich, als dass es diese Alternative real gar nicht gibt, d.h. aber nicht, dass die mangelnde Wertschätzung von Demokraie und Freiheit nicht erschreckend wäre.
Tatsächlich? Dir wäre es auch egal wem? Denn danach wurde offenbar gefragt.
#8 von politbuerokrat am 16. März 2010 - 08:53
Also ich kann mir sehr gut vorstellen, schon seit Jahren in einem Sozialismus zu leben, der sich nur anders nennt. Die 28 bzw. 42% erklären, warum sich bisher keiner erfolgreich für eine Konterrevolution eingesetzt hat.
#9 von Muriel am 16. März 2010 - 12:36
Eine einzige Stimme ist im Prinzip wertlos. Wenn dafür jemand einen vierstelligen Betrag auspackt, ist es aus meiner Sicht schon sehr idealistisch, das abzulehnen.
Aber was ich vor allem sagen will: Wer dumme Fragen stellt, bekommt dumme Antworten. Und diese EMNID-Fragen kommen mir schon reichlich dumm vor.
#10 von Matthias Schumacher am 16. März 2010 - 20:33
5000 Euro für eine Stimme. Die Leute sind schon sehr kapitalismusfeindlich.
#11 von Christian Soeder am 25. März 2010 - 12:34
Bei der Bundestagswahl 2002 betrug der Unterschied zwischen CDU/CSU und SPD nur ein paar Tausend Stimmen. Natürlich wäre es sinnlos, nur eine Stimme zu kaufen – das müsste man im großen Stil machen.
Und wer seine Stimm für 5000 Euro verkauft, der verkauft sie wahrscheinlich auch für 50 Euro.